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3.3.2016

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Chronik
Eilsbrunn

von Dr. Werner Chrobak

Eilsbrunn – Geschichte im Überblick

Malerisch bietet es sich noch dar, das Dorf Eilsbrunn, seit 1972 Teil der Großgemeinde Sinzing: Der Ort, hingeschmiegt an den Jura-Berghang, der zwischen Alling und Schönhofen vom Tal der Schwarzen Laaber her aufsteigt. Das Ensemble Kirche, Pfarrhaus und Wirtshaus in gewachsener Harmonie, wie es sich in Bayern nur noch selten findet. Mit dem benachbarten „Alpinensteig“ ein Anziehungspunkt für Wanderfreunde, der das Dorf und die Umgebung seit dem 19. Jahrhundert zu einem der bevorzugten Ausflugsziele der Regensburger machte.

Postkarten bieten Ansichten bereits aus der Zeit vor und nach dem Ersten Weltkrieg. Das Pfarrdorf war damals noch sehr überschaubar: 1886 beispielsweise zählte der Ort in 42 Gebäuden 221 Einwohner, 1926 lebten hier 303 Einwohner. Erst der Bau der neuen Gemeindeverbindungsstraße 1974 durch den Wald hinunter nach Riegling mit Autobahnanschluss bei Sinzing ließ die Einwohnerzahl merklich steigen. Früher eineinhalb Wegstunden zu Fuß von Regensburg entfernt, verkürzte sich nunmehr der Weg in die Stadt per Auto auf ein Viertelstündchen. 2002 lebten in Eilsbrunn 1097 Einwohner.

Die Kirche

Wer sich am imposanten schindelgedeckten Zwiebelturm der Eilsbrunner Dorfkirche orientiert, könnte meinen, er hätte eine der typischen bayerischen Barockkirchen vor sich. Auch die runde Umfriedung des Gottesackers um die Kirche und der behäbige Pfarrhof nebenan scheinen in dieses Bild zu passen. Doch Vorsicht! Die Kirche geht in ihrem Ursprung in die romanische Zeit zurück. Dieses Gotteshaus auf dem Lande zählt zu den ältesten Wolfgangskirchen des Bistums Regensburg. Die Eilsbrunner Kirche („ad Egilisprunna ecclesia“) wird erstmals urkundlich in der Güterbeschreibung von St. Emmeram in Regensburg von 1031 – allerdings wohl in einem Nachtrag des 12. Jahrhunderts – erwähnt. Der erste namentlich bekannte Pfarrer ist „Bernoldus“, bezeugt für das Jahr 1192. Das ist die Zeit, als kurz vorher Friedrich Barbarossa auf dem dritten Kreuzzug in Kleinasien ertrunken war (1190) und das prächtige Portal des Schottenklosters St. Jakob in Regensburg der Vollendung entgegen ging.

Weit über ein halbes Jahrtausend, bis zur Säkularisierung 1810, war die Geschichte Eilsbrunns besitzmäßig mit der Geschichte des Regensburger Benediktinerklosters St. Emmeram verbunden. Nur eine kleine Ausnahme gibt es: 1659 wurde Eilsbrunn für sechs Jahre an das Benediktinerkloster Prüfening verpfändet. Ansonsten wurden die Pfarrer Eilsbrunns normalerweise vom Emmeramer Abt bestimmt oder die Pfarrei durch Mönche des Klosters St. Emmeram versehen. Der „Emmeramer Steig“ bzw. „Pfarrersteig“ über die Marienhöhe durch den Wald nach Eilsbrunn erinnert an die Wege der Emmeramer Mönche aus dem Kloster in die inkorporierte – „einverleibte“ – Pfarrei. Der spätere Emmeramer Abt und berühmte Klostergeschichtsschreiber Coelestin Vogel übte hier 1644, während des Dreißigjährigen Krieges, das Amt des Pfarrverwesers aus.

Eilsbrunn wurde die Mutterpfarrei eines ausgedehnten Gebietes im Umland Regensburgs: Viehhausen wird 1338 als „gelegen in der Pfarr ze Eysbrunn“ bezeichnet; erst 1979 wurde Viehhausen eigene Pfarrei. Schon 1192 wird eine Kirche in Waltenhofen (an der Naab zwischen Mariaort und Etterzhausen) Eilsbrunn als Filiale unterstellt, doch war die Kirche dort 1508 bereits verschwunden. Die seit Mitte des 14. Jahrhunderts bestehende Marienkirche Mariaort wurde seit mindestens 1476 der Pfarrei Eilsbrunn zugeordnet und blieb es bis heute. Gleiches gilt für Riegling mit seiner romanischen St. Michaelskapelle. Dagegen erscheint Alling erst seit 1665 als Filiale von Eilsbrunn. Das ganze Mittelalter über war die im 12. Jahrhundert erbaute Allinger Kapelle mit dem Kloster Prüll bzw. Karthaus-Prüll verbunden.

Die Eilsbrunner Kirche, wie sie uns heute entgegentritt, entstand in drei Bauphasen: Das Langhaus stammt aus der Romanik, wurde wohl im 12. Jahrhundert errichtet. Auch der Turm im Sockelgeschoß mit gedrücktem Kreuzgratgewölbe ist allem Anschein nach noch mittelalterlich, während die hochragenden Turmteile mit abgerundeten Ecken, toskanischen Pilastern und geschweiftem Kranzgesims, dazu der mächtigen schindelgedeckten Zwiebel 1749 errichtet wurden. Die letzte große Veränderung erfolgte zu Beginn des Bismarckreiches: 1873/74 wurde die Kirche durch ein stark ausspringendes Querhaus und die heutige Chorapsis mit den großen Rundbogenfenstern erweitert. Ältestes Ausstattungsstück aus der Erbauungszeit der Kirche im 12. Jahrhundert ist ein einfacher romanischer Taufstein, heute im nördlichen Arm des Querhauses. Das Tauf- und Begräbnisrecht zählte ja zu den wichtigsten Rechten einer Pfarrkirche. Die edle Figur des Kirchenpatrons St. Wolfgang in der Nische des barocken Akanthus-Hauptaltars schuf ein unbekannter Künstler der Spätgotik, um 1480/1500. Wolfgang, Bischof von Regensburg 972–994, zeitweilig zugleich Abt von St. Emmeram, war ja bereits 1052 heiliggesprochen worden und in der Wolfgangskrypta der St. Emmeramskirche bestattet worden. So war es nicht verwunderlich, dass das Kloster St. Emmeram zwei seiner Klosterpfarrkirchen – Matting und Eilsbrunn – bald nach der Heiligsprechung diesem Patron weihte. Das Attribut des Heiligen, die Kirche mit Wolfgangihackl, ist freilich neu und Modell der heutigen Eilsbrunner Kirche. Ebenfalls spätgotisch jedoch ist die anmutige Muttergottesstatue mit Kind an der Stirnwand über dem linken Seitenaltar. Der neuromanische Hauptaltar des 19. Jahrhunderts musste 1962 dem heutigen Barockaltar – vermittelt durch Prälat Hartig aus dem Kloster Speinshart – weichen, das neuromanische Deckengemälde eines Christkönigs wurde beseitigt. Die „Neobarockisierung“ der Kirche wurde damals durch die Wiederanbringung der barocken Figuren der hl. Katharina und Barbara, der hl. Wendelin und Leonhard und des hl. Nepomuk an den Langhauswänden unterstrichen und durch Einfügung eines Neobarockdeckengemäldes mit dem hl. Wolfgang im Querhaus bei der letzten Restaurierung 1998 gleichsam vollendet. Diese Pfarrkirche wählte sich der Landadel der Umgebung als Grablege. Die Schönhofer, Reisacher, Sauerzapf und vor allem die Rosenbusch ließen sich hier bestatten. Der älteste Grabstein erinnert an den 1421 verstorbenen Johann Schönhofer, auf den Kopf gestellt im Turmeingang. Daneben (rechts) das in der Mitte zerbrochene Epitaph des 1483 verstorbenen Kaspar Reisacher, vielleicht eine Arbeit der Regensburger Dombauhütte der Roritzer.

Ortsname

Der Ortsname „Eilsbrunn“ geht auf den mittelalterlichen Namen „Egilisprunna“ zurück. Dies bezeichnet wohl eine Siedlung, die durch einen gewissen Egilo oder Egilolf an einem Brunnen oder einer Quelle begründet wurde. Der frühest urkundlich bekannte Bewohner des Ortes Eilsbrunn ist ein „Hartwic de Egilisbrunnen“. Er findet sich unter den Zeugen einer Schenkung an das Kloster St. Emmeram von 1095. Jedenfalls wird ab der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts ein Adels- oder Ministerialengeschlecht fassbar, das sich nach dem Ort Eilsbrunn benennt. Diese Adeligen erscheinen im 12. und 13. Jahrhundert in Diensten des Klosters St. Emmeram. Ihre Burg bzw. ihr befestigter Wohnsitz wird auf dem sogenannten „Stifterfelsen“ vermutet, ohne dass hierfür bisher ein der modernen Forschung genügender quellenmäßiger oder archäologischer Nachweis geliefert werden konnte. Die Vogtei über den Emmeramer Besitz in Eilsbrunn übten seit 1282 die Herren von Abensberg, nach deren Aussterben ab 1485 die Herzöge von Bayern aus. Gerichtsmäßig gehörte die Schranne Eilsbrunn mit Hoch- und Niedergerichtsbarkeit seit dem 16. Jahrhundert zum Kastenvogtgericht Kelheim. Dieses wiederum war dem Rentamt Straubing zugeordnet. 1857 kam Eilsbrunn vom Landgericht Kelheim zum Landgericht Stadtamhof. 1862 erfolgte die Trennung von Justiz und Verwaltung auf der unteren Ebene. Für die Verwaltung wurden die Bezirksämter eingerichtet, für die Gerichtsbarkeit die Landgerichte (ab 1879/80 die Amtsgerichte). Eilsbrunn kam zunächst – 1862 – zum Bezirksamt Stadtamhof, nach dessen Auflösung 1929 zum Bezirksamt Regensburg, 1939 nach der Umbenennung der Bezirksämter in Landratsämter zum Landratsamt Regensburg. Im 19. Jahrhundert hieß Eilsbrunn amtlich „Eulsbrunn“, mit Entschließung des Kgl. Staatsministeriums des Innern vom 22. August 1905 wurde die Bezeichnung „Eilsbrunn“ verbindlich.

Brauereigasthof Röhrl

Zweiter dominanter Bau im Ortsbild Eilsbrunns ist der Brauereigasthof Röhrl in unmittelbarer Nachbarschaft der Kirche. Eine Tafernwirtschaft mit zugehörigem Bräuhaus wird für Eilsbrunn bereits für das Jahr 1580 bezeugt. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts tauchte ein Leonhard Sieß, zu Beginn des 17. Jahrhunderts ein Michael Zäch als Wirt hier auf. Beim Schwedeneinfall 1633 im Dreißigjährigen Krieg wurden neben den meisten Häusern auch die Tafernwirtschaft und das Bräuhaus in Eilsbrunn geplündert und zerstört und lagen für einige Jahre öd. 1641 schließlich kaufte Georg Hofmeister aus Bruckdorf vom Wirt Adam Hueber die Taferne, er wird auch noch 1655 als Wirt von Eilsbrunn bezeichnet. Wenige Jahre später geht die Tafernwirtschaft mit Brauerei an Andreas Röhrl über. In einem Taufbuch der Pfarrei Eilsbrunn wird dieser Andreas Röhrl unter dem Datum des 15. August 1663 als Taufpate mit der Berufsbezeichnung „Wirt ebenda“ benannt. Somit kann dieser Andreas Röhrl (um 1636 – 1706) als Stammvater der Eilsbrunner Brauer- und Wirtefamilie bezeichnet werden. Die im Holzbalken des Aufzugserkers über dem Haupteingang erkennbare Jahreszahl „1665“ passt also in die Zeit. Das große Sudhaus vorne an der Regensburger Straße wurde 1764 errichtet. Der Brauereigasthof mit seinem eindrucksvollen Walmdach wurde 1839 in dieser Form von der Brauerswitwe Magdalena Röhrl erbaut, wie am steinernen Türbogen über dem Eingang im Erdgeschoß mit der entsprechenden Jahreszahl und den Initialen „M“ „R“ ablesbar ist. Der Sohn der Magdalena Röhrl, Joseph Röhrl, übernahm 1844 den Besitz. 1862 verlegte er die Malzdarre von einem Nebengebäude der Gastwirtschaft in einen Anbau des Sudhauses und richtete in der alten Malzdarre eine Branntweinbrennerei ein. Der Nachfolger Johann Nepomuk Röhrl (1853–1920) modernisierte den Besitz: In den 1870er Jahren schaffte er eine Dampfmaschine mit 6 PS an, legte 1877 den Wirtsgarten neu an und errichtete im rückwärtigen Teil des Biergartens 1902 den Saalbau mit Fremdenzimmern im ersten Stock. Im gleichen Jahr – 1902 – kaufte Johann Nepomuk Röhrl die Glasschleife in Obereinbuch und versorgte von dort mit einem neuen Elektrizitätswerk über eine 2,8 km lange Leitung seine Brauerei mit Strom.

Um die Jahrhundertwende zählte die Brauerei Röhrl zu den führenden Brauereien der Regensburger Gegend und wurde 1910 bei der „Oberpfälzischen Kreisausstellung“ in Regensburg mit der Staatsmedaille ausgezeichnet. Zur Brauerei gehörte auch ein Ökonomiegut mit 340 Tagwerk Grund. Die Modernisierung der Brauerei trieb Sebastian Röhrl in den 1920er Jahren mit dem Bau eines großen Eiskellers, eines Flaschenabfüllraums, einer Fasswäscherei etc. voran. Beim Einmarsch der Amerikaner im April 1945 wurde er im Hausflur von einer Kugel tödlich verletzt. Sein Nachfolger wurde Johann Nepomuk Röhrl (1909–1970). Seit 1972 ist die Brauerei stillgelegt. Der Brauereigasthof wurde von da an bis 2006 durch Wirt Gerd Kolbe und seine Frau Antonie Kolbe, geb. Röhrl, in bewußt bayerischer Tradition fortgeführt, ausgezeichnet hierfür durch viele Preise des Bayerischen Ministeriums für Landwirtschaft und Forsten. Seit 1. März 2006 erweckt Antonie Kolbes Neffe Muk Röhrl das ehrwürdige Wirtshaus in 11. Generation zu neuem Leben. Mit tatkräftiger Unterstützung der gesamten Röhrl Familie betreibt der gelernte Koch und Kaufmann nun das Wirtshaus in den denkmalgeschützten Gemäuern.

Schräg gegenüber dem Brauereigasthof Röhrl steht das ehemalige, in den 1880er Jahren erbaute Schulhaus. Es beherbergte bis 2000 die „Heimatstube“ Eilsbrunns, gegenwärtig ist darin u.a. der Schulungsraum für die Freiwillige Feuerwehr Eilsbrunn untergebracht.

Der Ortsteil Eilsbrunn bewahrte sich innerhalb der Großgemeinde Sinzing aus der Geschichte des früheren Dorfes heraus ein vergleichsweise bewusstes Eigenleben: Dazu tragen die noch mit einem Pfarrer besetzte alte Pfarrei und die zahlreichen Vereine bei: Die bereits 1878 gegründete Freiwillige Feuerwehr Eilsbrunn, der 1907 gegründete Krieger- und Soldatenverein, der 1950 gegründete Schützenverein, der 1952 gegründete Obst- und Gartenbauverein, der 1978 gegründete Kolpingverein, die 1996 gegründete Kirtajugend (der frühere Burschenverein) – nicht zuletzt aber der 1980 gegründete Sportverein Eilsbrunn e.V.

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